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Anne Riebel

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25. November 2018

Fast wie bei Freunden ...


... war es bei der Lesung in der Weinwirtschaft am Thomaskirchhof in Leipzig ...








... auch dank Lisa Schindler, die mit Herz und Sachverstand alle betreute ...







... im Gespräch mit einer jungen Dame (9 Jahre alt), die sich überhaupt nicht gegruselt hat und selbst auch gerne liest und schreibt ...








... auf Tuchfühlung mit den Gästen, die zum Teil auch WiederholungstäterInnen waren ...










Vielen Dank - es war wieder sehr schön!


(c) alle Thomas Gebhart
  


8. November 2018

Mit dabei - beim 9. Krimi-Marathon Berlin-Brandenburg

Wir sind ausverkauft bei der Mörderischen Weinprobe im Württemberger Weinhaus. Spannend ist nicht nur die Atmosphäre des Ladens in einem der gemauerten Viaduktbögen der Berliner S-Bahn aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Ab und an rauscht ein Zug über uns hinweg. Und zwischen den Szenen der Krimi-Lesung kredenzt René Arnold ausgesuchte Weine.



(c) Thomas Gebhart







19. Oktober 2018

Charmant und kompetent



(c) Thomas Gebhart










Die Maikammerer Weinprinzessin Anna-Lea I. stellte im Rahmen der Mörderischen Weinprobe in der Ortsvinothek "Weinkammer" ausgesuchte Tropfen der Rebsorte Silvaner vor.




16. Oktober 2018

Na, wer war es ... ?


Mit dem Herbst beginnt für mich nun wieder die Lese-Saison: Den Auftakt gab es am vergangenen Freitag im Weinladen Spandau am Metzer Platz. Eine kleine und feine Mörderische Weinprobe mit Silvaner Kostbarkeiten vom VDP-Weingut Schmitts Kinder in Franken.
Mit Silvaner trocken - dem Wein des Jahres - geht es weiter, Ende der Woche im südpfälzischen Maikammer. Und Anfang November in Charlottenburg - gemeinsam mit dem Württembergischen Weinhaus am Kranzler Eck sind wir mit von der Partie beim Krimimarathon Berlin-Brandenburg --> Programm.


(c) Thomas Gebhart





Juni 2018

Hitzefrei . . .



(c) Anne Riebel



Mai 2018

Urlaub

Der Grießbachhof liegt in einem der schönsten Täler des Schwarzwaldes.
Sonne, Stille, Vogelgesang. Blühende Wiesen. Sattes Grün.
Kühe, Hühner, Katzen, Menschen, alle so freundlich, tiefenentspannt.
Ein Herrgottsfleckchen. Pssst! Nicht weitersagen ...


(c) Anne Riebel





23. April 2018

Bücher kaufen

Online Bücher zu kaufen ist leicht und komfortabel. Es trägt aber auch dazu bei, dass langfristig immer weniger Leute in diesem Bereich tätig sein können. Ich denke dabei an die Inhaberinnen kleiner Buchläden, engagierte Buchhändler und Verlagsvertreter, die diese besuchen und über Neuerscheinungen informieren.

Außerdem ist für mich der direkte Kontakt zu den "Büchermenschen" in meiner Nähe unabdingbar. Und der Geruch der vielen druckfrischen Schmöker, der mir beim Betreten einer Buchhandlung in die Nase strömt, versetzt mich in einen Zustand angenehmster Aufregung.

Wenn es aber einmal schnell gehen muss? Ein Geschenk auf den Weg gebracht werden soll? Oder ich ein ganz bestimmtes (Fach)Buch brauche? Dafür gibt es mit dem Autorenwelt Shop nun eine faire Alternative. Dahinter steht die Münchner Verlegerin Sandra Uschtrin, die sich zusammen mit ihrem Team seit Jahrzehnten für die Vertreterinnen und Vertreter der schreibenden Zunft engagiert. Unter anderem gibt sie das Handbuch für Autorinnen und Autoren und die Fachzeitschrift Federwelt heraus. Vor einigen Jahren hat sie mit der Autorenwelt die erste große Plattform im Internet für diesen Bereich geschaffen und nun mit dem angeschlossenen Shop eine weitere Vision verwirklicht.

Da man auf schlanke Strukturen und Prozesse setzt, eng mit dem Großhandel zusammenarbeitet und nicht dem Zwang der ständigen Gewinnmaximierung unterliegt, werden die teilnehmenden Autoren - die in der Regel zirka 7% vom Ladenpreis an einem Buch verdienen - bei Käufen über den Autorenwelt Shop mit weiteren 7% entlohnt.

Damit soll nun aktiv dazu beigetragen werden, dass künftig vielleicht mehr als nur 5% oder ungefähr 100 deutsche Schriftsteller von den Verkäufen ihrer Bücher leben können. Schließlich sind sie es doch, die uns in fremde, spannende Welten entführen, während wir entspannt zu Hause auf dem Sofa sitzen. Die uns neue Erkenntnisse, Balsam für Herz und Seele servieren und kulinarische Genüsse, die sich nicht auf die Linie auswirken.





8. März 2018

Siegesgöttin

Zum Frauentag bin ich auf eine der ältesten weiblichen Figuren in der Kunstwelt gestoßen. Die Darstellung der Siegesgöttin Nike wurde auf der griechischen Insel Samothrake gefunden und ist ungefähr 200 Jahre vor Christus entstanden. Als ich der Skulptur im März 2004 im Louvre in Paris gegenüberstand, hat sie mich zu einem Gedicht inspiriert. Ich fand es ganz unten, auf dem Boden meines literarischen Schuhkartons wieder und nichts wäre mir lieber, als wenn es dort liegen bleiben könnte, sich überholt hätte ...


Nike von Samothrake

Zweitausend Jahre alter Wind
fängt sich wallend in Deinen Gewändern.
Die Flügel weit aufgefächert,
schreitest Du zwischen Hass und Hoffnung
über die endlosen Felder der Schlacht.

Durch Zeit und Angst und sterbenden Stolz
zu immer neuen Kämpfen und Kriegen.
Jenseits der Grenzen des Grauens,
wo Kinderseelen stumm verbluten,
hast Du Deinen Kopf verloren.

Getrieben, bedrängt, umschmeichelt
von den Erben eines ewigen Wahns -
Herzblut und tausendfachen Tod
bieten sie Dir als Unterpfand
in ihrem geilen Verlangen nach Macht.

All Deine Freier hältst Du gefangen,
im Kerker der unstillbaren Gier.
Und jeder kurze Moment Deiner Gunst
zeugt in einem hastigen Inferno
nur neue gewaltige Gelüste.





(c) Anne Riebel



9. Februar 2018

Träume leben


Es ist neblig, feucht und trüb und der Wind kommt von Osten. Den ganzen Tag habe ich vor mich hingefröstelt. In den Räumen der KulturCantina in Landau, wo ich an diesem Abend lesen werde, tritt mir wohlige Wärme entgegen. Und ich werde mit einem Lächeln begrüßt. Ich habe das Gefühl nach Hause zu kommen. Denn in der KulturCantina gibt es alles, was ich in meinem 'inneren Zuhause' zum Wohlfühlen brauche. Bücher, schöne Schreibutensilien, Kaffee, Wein, dicke Socken und gutes Essen. "Ich finde, dass gutes Essen auch ein Stück Kultur ist", sagt Claudia Ballester, die Inhaberin der KulturCantina. Da kann ich nur lebhaft zustimmen; sind es doch offensichtlich dieselben Dinge, die uns beschäftigen, für die wir uns engagieren. Nur dass es bei mir eben Romanfiguren sind, die Wein machen, kochen, Gäste bewirten, eine Buchhandlung betreiben ...


(c) Thomas Gebhart




21. Januar 2018

Lesungsauftakt in Leipzig


Es ist die Mischung aus städtischem Flair, Kultur und Bodenständigkeit, die mir an Leipzig so gut gefällt. Dass ein Geist von Offenheit und Toleranz hier nach wie vor zu Hause ist, zeigt ein riesiges Plakat an einem Gebäude an der Ringstraße mit einem Wort von Goethe:

"Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter."

Gelesen habe ich diesmal direkt am Thomaskirchhof in der Weinwirtschaft. Das gemütliche Restaurant gehört mit zum arcona Hotel LivingBach. Und Bach selbst schaute von seinem imposanten Denkmalsockel vor der Thomaskirche zu uns herein.

Zwischen den einzelnen Leseabschnitten kredenzte die Restaurantleiterin Sabine Patermann die passenden Weine aus Landau - die südpfälzische Kleinstadt ist einer der Hauptschauplätze in Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen. Tipps zur fachmännischen Verkostung gab es von einem jungen Kollegen, der gerade beim Deutschen Weininstitut seinen Weinwirt gemacht und die Weine besprochen hat.





(c) Thomas Gebhart




12. Dezember 2017

Lesen


Was ich am Winter liebe, das ist die Stille. Draußen ist es dunkel. Die Fenster meiner Nachbarn ringsherum, in denen Lichter freundlich funkeln, sind geschlossen. Die Geräusche und Gerüche ihres Lebens, die mir in Sommernächten viel mehr erzählen als ich wissen möchte, bleiben diskret dahinter zurück.
Nichts lenkt mich ab. Behutsam taste ich mich hinein in den Text, spüre den Rhythmus der Sprache, höre ihre Melodie, genieße ihren Klang und
vor meinem geistigen Auge entstehen Bilder, Szenen, ein ganzer Film.
Wenn ich lese, bin ich allein und fühle mich gleichzeitig mit der Schöpferin/dem Schöpfer des Werkes verbunden. Manchmal ist es, als würden wir ein intensives Gespräch miteinander führen. Dabei ist die Begegnung für keinen von beiden anstrengend.
Wenn ich lese, reise ich. Ich lerne andere Länder, Landschaften und Kulturen kennen. Ich kann mit meinem Geist weit in der Zeit zurückgehen. Zum ersten Epos, das vor mehr als 4000 Jahren geschrieben wurde (es erzählt von Liebe, Konflikten, Städten, der Macht der Natur, der Suche nach Unsterblichkeit). Zu den griechischen Großepen, die die abendländische Erzähltradition begründet haben und sie bis heute beeinflussen. Ich kann mich durch alle Epochen der Literatur arbeiten. In die Zukunft schauen oder auf den Flügeln der Phantasie verrückte, fabelhafte Welten erkunden.
Ich lese, um mich abzulenken, von den Widersprüchen und deprimierenden Ereignissen dieser Welt. Um mich ihnen dann doch wieder zu nähern, aber langsamer, behutsamer. Ein Buch ist eben vielschichtiger, als eine kurze, dramatische Pressemeldung.
Ich lese, um mich und meine Mitmenschen besser zu verstehen. Um mich zu trösten und zu stärken. Mich aufs Köstlichste zu amüsieren.
Es gäbe noch so viel mehr zu sagen. Doch der kleine Schmöker hier auf dem Tisch neben meinem Sessel vibriert schon, schaut mich so schmachtend an ...





23. November 2017


Szenen einer Lesung



Begrüßung durch Frau Küchler vom Büchertreff Obertshausen und Herrn Beutler-Torkler in Hugos Weinwelt


Konzentration
Fotos: Thomas Gebhart

Lesen und Lächeln


Bücher signieren mit Herrn Küchler




2.-5. November 2017


Auf Lesereise


Bad Vilbel war das erste Etappenziel. Im Weinhaus Hamm im Ortsteil Gronau gaben wir eine mörderische Weinprobe mit Silvaner trocken und anderen, zum Glück nicht tödlichen Tropfen im urigen Gewölbekeller.

Anschließend ging es weiter nach Bad Dürkheim, wo wir im Restaurant Weinrefugium das 10jähige Jubiläum unseres kleinen Longsellers Riesling pur oder ein mörderischer Jahrgang auch noch einmal auf pfälzischem Boden feierten.

Warum ich das alles im Plural schreibe? Weil mir hinter den Kulissen jemand mit Rat und Tat zur Seite steht. Ohne ihn würde es mir schwerfallen, Krimis zu schreiben, weil er meine oft überbordende Phantasie bremst, den Blick immer wieder zurück auf das Wesentliche lenkt. Und ohne ihn, wären solche Reisen nicht aufregend und schön - sondern nur ein anstrengendes Fiasko.

Er ist ziemlich bester Freund, Roadie, Fotograph (leider selbst kamerascheu)  und mein Göttergatte.



(c) Thomas Gebhart




20. Oktober 2017


Jubiläums-Lesung - 10 Jahre Riesling pur oder ein mörderischer Jahrgang


(c) Thomas Gebhart




(c) Thomas Gebhart

Lebendiges Engagement und eine nahezu buddhistische Gemütsruhe

Das scheint mir das Erfolgsrezept von Ulrike Trump-Berndt und Friedrich Berndt zu sein (hier mit der aktuellen und der Erstausgabe meines kleinen Longsellers). Seit 35 Jahren betreiben sie den Spandauer Weinladen bei uns in der Wilhelmstadt. Dabei stehen bei ihnen immer wieder wein-kulinarisch interessante Veranstaltungen auf dem Programm.
Gemeinsam mit 25 gut gelaunten Gästen waren wir nicht nur literarisch am malerischen Haardtrand unterwegs, wo das Rebenmeer rechts und links der Weinstraße in den Pfälzer Wald übergeht. Spannend war auch die Verkostung der ausgesuchten Weine, die dort wachsen.




15. Oktober 2017

Lieblingsautoren der Autoren



(c) Thomas Gebhart

Zur Buchmesse hatte die Marketing-Managerin meines Verlages die schöne Idee, die Autoren einmal nach ihren Lieblingsbüchern bzw. Lieblingsautoren zu befragen.

Es ist mir nicht leicht gefallen, mich für ein einziges Buch zu entscheiden. Es gibt so viele schöne, wunderbare Bücher. Vor allem wenn sie Vernunft und Gefühl ansprechen, liegen sie bei mir auf dem Lesestapel ganz oben. Und sie sollten etwas Lebensbejahendes haben und auch respektvoll mit der Sprache umgehen.

Warum ich Mord im Orient Express von Agatha Christie ausgewählt habe? Ich habe kürzlich alle Poirot-Krimis in der Reihenfolge des Erscheinens gelesen. Und ich finde diese Figur so wunderbar. Ich mag Poirots höfliche, zurückhaltende Art. Seine Empathie, seine Feinsinnigkeit. Seine Vorliebe für Ordnung und Methode. Seine Psychologie. Seine Einsamkeit. Und wie er sie meistert.




20. September 2017

Wörter mit B

Bundestagswahl; Bundestagswahlkampf.
Bundestheater steht im Duden gleich unter den beiden oben genannten Begriffen. Danach kommt Bundestrainer. Alles Wörter mit B. Wenn Wörter mit demselben Buchstaben beginnen, heißt das nicht, dass sie auch inhaltlich etwas miteinander zu tun haben. Den meisten Menschen ist dies bekannt. Anscheinend aber nicht der AfD. Denn was eine Burka mit Burgunder zu tun haben soll, ist mir nach wie vor schleierhaft.

Ich habe dieses Wahlplakat vor Augen: Drei junge Frauen im Dirndl mit Krönchen auf dem Kopf und einem Weinglas in der Hand. Im Hintergrund Weinberge.

In meinem Schrank gibt es ein Album mit ganz ähnlichen Fotos von mir selbst. Vor 25 Jahren war ich als Weinprinzessin der Südlichen Weinstraße und der Pfalz auf Weinfesten, Tourismus-Messen und sonstigen Veranstaltungen im In- und europäischen Ausland unterwegs. Als Botschafterin für Wein und Landschaft hatte ich wahnsinnig viele, wunderbare und bereichernde Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft. Ein Geist von großer Offenheit und Toleranz hat mich während dieser zwei Jahre begleitet! Und eine solche Einstellung ist unter anderem auch Voraussetzung, um berufen oder gewählt zu werden.

Warum die AfD dieses Foto, diese Symbolik gewählt hat? Wo sie doch gerade für die gegenteiligen Werte steht?
Komisch?! Dumm gelaufen.

Und wie gesagt. Es ist 25 Jahre her. Heute tragen die Weinhoheiten eher selten ein Dirndl. Sie treten in schicken Kostümen, eleganten Hosenanzügen und manchmal sogar in Jeans auf. Und dann sprechen sie über Wein. Auch über Burgunder. Bei dem es sich um eine weltweit bekannte Rebsorte handelt. Er wird nicht nur in Deutschland angebaut als Weißburgunder, Grauburgunder (Ruländer) und Spätburgunder, sondern auch in Frankreich (Pinot Blanc, Pinot Gris und Pinot Noir). In Australien. In Kalifornien. In Italien nennt man ihn Pinot Bianco, Pinot Grigio und Pinot Nero. Wie keine andere Rebsorte, versinnbildlicht der Burgunder, dass Wein und Weinkultur für das Verbindende stehen.

Haben die das nicht gewusst? Irgendwie dumm.

Die anderen Wahlplakate der AfD, die Aussagen und das Verhalten ihrer Kandidaten, lassen mich bestürzt und verzweifelt zurück. Vor allem das Leugnen unbequemer Tatsachen. Und die Versuche, andere für die eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich zu machen.

In meinen Augen ein Ausufern fürchterlicher Dummheit.

Da fällt mir noch ein Wort mit B ein:

Bildung





18. August 2017


10 Jahre Riesling pur

Im August 2007 hat er das Licht der Bücherwelt erblickt. Mein Erstling Riesling pur oder ein mörderischer Jahrgang. Und sich seitdem mit mehr als 10.000 Exemplaren wacker am Markt gehalten. Wir werden dieses kleine Jubiläum mit Lesungen in Berlin und der Pfalz feiern. Ich freue mich schon sehr darauf (weitere Infos siehe  Veranstaltungen).

Ursprünglich ausgelöst wurde alles durch einen Traum.

Ende der Neunziger konnte ich mich dem Schreiben endlich intensiver widmen – es hatte mich immer schon fasziniert und beschäftigt – und 2001 eine  märchenhafte Erzählung veröffentlichen. Ich dachte an weitere Projekt in diesem Bereich, als eines Nachts die ersten Szenen von Riesling pur in Kinoqualität vor meinem inneren Auge abliefen: Zwei junge Homosexuelle, die sich in einem Schilfgürtel am Rande eines idyllisch gelegenen Winzerdorfes eine Art Liebesnest gebaut hatten. Kurz darauf wird dort die Leiche eines Kindes, eines kleinen Jungen gefunden …
Mir wurde klar, dass ich es nicht länger mit einem leichten Stoff, sondern mit ernsten und herausfordernden Themen zu tun haben würde. So bin ich zum Krimischreiben gekommen. Oder besser gesagt – so kam der Krimi zu mir.

Riesling pur hat aber noch mehr ins Rollen gebracht. Als ich ihn von 2003 bis 2005 schrieb, ahnte ich nicht, dass er mir die Tür zu einer ganzen Krimi-Reihe öffnen würde. Er erzählt sozusagen die Vorgeschichte, die sich später mit Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen, der im August 2013 erschien, fortgesetzt hat. Der dritte Fall ist auch schon geschrieben. Der Vierte beginnt sich bereits in meinem Kopf zu formen …

Doch langsam. Wenn mich die 10 Jahre, die ich nun in Sachen Literatur unterwegs bin, etwas gelehrt haben, dann ist es Geduld. Das tätige Warten. Dem Brotberuf in der Anwaltskanzlei nachgehen, während man auf die Rückmeldung von Erstlesern, Lektorinnen oder Verlagsleitern wartet. Ideen sammeln. Lagepläne zeichnen. Wäsche bügeln, bis die Romanfigur endlich weiß, wo sie mich hinführen möchte.

Und ein Fläschchen aufmachen. Prickelnden Rieslingsekt vielleicht? Oder lieber einen trockenen Silvaner? Ihn einschenken und zusammen mit einem guten Buch genießen.






10. August 2017


Raus an die Havel


Wenn sich eine Schönwetterlücke
im Sommerhimmel auftut, kann es schon einmal vorkommen, dass ich
hier alles stehen und liegen lasse.


Ich packe mein Skizzenbuch ein.
Etwas Proviant. Und dann stehle
ich mich für eine Stunde mit meiner kleinen Leidenschaft davon ...



(c) Anne Riebel




11. Juli 2017


Blumen im Regen



(c) Anne Riebel

Als ich im Frühjahr Samen englischer Wicken und weißer Malven einpflanzte, träumte ich von lauen Sommertagen. Von Blüten umrankt, eingehüllt in ihren Duft, wollte ich auf meinem Balkon sitzen. Über mir ein blankblauer Himmel. Samtwarme, tiefviolette Dämmerung. Ein gutes Buch in der Hand, ein Glas Wein neben mir ...

Mein Traum ist Wirklichkeit geworden. Zwischen zwei Regengüssen stehle ich mich hinaus, was die Stunden, die ich auf diese Weise sammle, umso kostbarer macht.

Ich könnte jammern über diesen Sommer, doch dann sehe ich die Regentropfen im diffusen Licht auf den zarten Blüten glänzen. Und ich muss an Kafka denken:

Wer sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.




27. Juni 2017


Mein lyrischer Schuhkarton


Die Themen, Fragen und möglichen Konflikte des nächsten Krimis haben sich bereits um meinen Schreibtisch herum versammelt. Ich werde mich bald näher mit ihnen befassen müssen. Am Wochenende aber habe ich mich von der leichtfüßigen, lyrischen Muse davontragen lassen - nach längerer Zeit wieder erste Fingerübungen gewagt und ein Gedicht neu entdeckt, das ich schon vor vielen Jahren geschrieben habe ...



Sommerträume

Mauersegler
Akrobaten im Blau
sonnengrünes Licht in den Bäumen
Morgensommer

Fahrrad fahren
gleiten im warmen Wind
eintauchen in Lichtkristalle
Draußensommer

Muffige Luft
sumpfige Gewässer
Schweißperlen und Mückenstiche
Hitzesommer


Tropfen platzen
plötzlich gleißender Blitz
Donnerkonzert über den Dächern
Gewittersommer

Reife Früchte
Holzkohle und Bratwurst
Weißwein aus beschlag'nen Gläsern
Genießersommer

Sternennächte
bewusste Augenblicke
kurz verweilen im Fluss der Zeit
Traumsommer





9. Mai 2017


Auf dem Menzenschwander Geißenpfad

Endlich Urlaub! Eine der Touren im Hochschwarzwald führt uns an der Längsseite eines Berges entlang. Auf den felsigen, von Moosen, Heidelbeeren und frischgrünem Gras überwucherten Weiden sollten eigentlich Ziegen des nahegelegenen Öko-Hofes grasen. Doch wahrscheinlich ist es ihnen bei 7°C zu kalt.
Meinem Mann scheint das nichts auszumachen. Er beobachtet mich. Amüsiert sich, wie ich den steilen Anstieg in Augenschein nehme. „Beständig und gelassen setzt die Bergziege einen Fuß vor den anderen“, sagt er indem er Heinz Sielmann imitiert.

Ich grinse vor mich hin. Das habe ich gelernt, in den 10 Jahren, in denen ich nun schon als Schriftstellerin unterwegs bin.

Das Thema meines dritten Krimis – den ich wie beschrieben kürzlich zu Papier gebracht habe - hat von Anfang an immer einen Teil meines Geistes bewegt.
Doch davor lag noch ein anderer, dringlicherer Fall. Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen. An dem Buch habe ich sieben Jahre lang gearbeitet. Das verflixte zweite Buch? Nicht nur. Die Geschichte der Pfälzischen Sinti und Roma, die in die Handlung mit eingeflochten ist, machten umfangreiche und gründliche Recherchen erforderlich. Und als ich endlich aus dem Gröbsten heraus war, waren meine Protagonisten weg …
Hubert Hartmann, Hauptkommissar meines Erstlings, hatte sich in den Ruhestand verabschiedet. Und seine Kollegin aus der Großstadt teilte mir mit, dass sie genug vom ländlichen Idyll hätte … Was nun?
Romanfiguren sind ein bisschen wie Kinder. Sie kommen, wenn ihre Zeit reif ist. Und sie bringen etwas mit. Ein Füllhorn voller Ideen und Themen zum Beispiel, die ich alle sofort in Angriff nehmen sollte … Schon bald wurde mir klar, dass es sich eben nicht nur um einen weiteren Fall, sondern um eine ganze Krimi-Reihe handelte. Und dass ich eine Struktur brauchen würde, wenn ich mich nicht hoffnungslos verzetteln wollte. Doch wie organisiert man eine ständige Flut von Einfällen? Kann man die Welt der Phantasie aufräumen? Darf man das überhaupt? Ist nicht allein der Gedanke daran ein Sakrileg?
Doch eines Tages war er da. Der rettende Einfall. Ein kreatives Ordnungssystem! Ein Oxymoron! Und doch so klar, wie der sprudelnde Gebirgsbach, in den sich der Geißenpfad zuweilen verwandelt. Ich kaufte eine Hängeregistratur, beschriftete sie entsprechend. Und in meinem Kopf konnte endlich ein Rädchen zur Ruhe kommen. Denn seitdem weiß ich, sobald eine Idee in meinem unsteten Geist ankommt, wo sie hingehört. Das Werk hatte plötzlich Anfang und Ende. 10 Bände sollen es werden.

11 mit Riesling pur oder ein mörderischer Jahrgang den ich gerne als meinen „kleinen Hobbit“ bezeichne, weil er die Vorgeschichte erzählt. Seit 10 Jahren behauptet er sich wacker an einem Markt, der sich derzeit im Umbruch befindet und mit herausfordernd durchaus euphemistisch beschrieben ist. Im Herbst werden wir den kleinen Longseller im Rahmen ausgesuchter Lesungen feiern!

Ich bin stehen geblieben. „Lächelnd blickt die Bergziege auf den Weg, den sie bereits zurückgelegt hat“, sagt mein Mann. Ich denke dabei an die vielen freundlichen Menschen, denen ich begegnen durfte. Hätte mir damals im Herbst 2006 jemand gesagt, was auf mich zukommen würde, hätte ich meinen relativ sicheren und gut bezahlten Job in der Pharmaindustrie bestimmt nicht aufgegeben. Heute bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Ich drehe mich um. Vor mir öffnet sich ein Tal. Nach dem Buch ist vor dem Buch. Und der Weg bleibt immer derselbe. Immer das Ziel.



(c) Anne Riebel






27. bis 30. Jan 2017



Wunderschöne Lesereise



(c) Thomas Gebhart
Der erste Termin, am Freitagabend, führte uns nach Rodgau bei Frankfurt. Frau Rodrigues, Inhaberin der Buchhandlung Gartenstadt Bücher, begrüßte uns mit den Worten: "Wir sind ausverkauft!" Die Buchhändlerin mit Herz und Leidenschaft hatte sich mit Herrn Gries, einem Freund zusammengetan, in dessen Weinladen neben ausgesuchten Tropfen auch noch anderer kleiner Luxus für Genießer zu finden ist.
Für die knapp 40 gut gelaunten Literatur- und Weinfreunde zu lesen, hat großen Spaß gemacht - wir haben alle viel gelacht. Zum Abschied bekam ich einen Blumenstrauß in den Arm gedrückt. Und zu meiner Überraschung fand sich im Publikum auch noch meine liebe Freundin Annette, die mit ihrem flotten Sportwagen von Gießen herübergeflitzt war. Wir ließen den Abend in einem gemütlichen Lokal in der Nähe ausklingen, und schließlich fiel ich in unserem von der Aktion Mensch geförderten Hotel mit Herz ins Bett. In Seligenstadt!


Auch die Lesung in Landau-Godramstein war etwas Besonderes. Nicht nur weil ich dort aufgewachsen bin. Die umgebaute Kinck'sche Mühle ist mit dem integrierten alten Holzgebälk und den erhöhten Seitenpodesten ein beeindruckendes Gebäude mit einer sakral anmutenden Akustik. Herr Baur und das Team vom Kunst- und Kulturverein hatten alles sehr unaufgeregt und professionell vorbereitet, auch für eine liebevolle Deko war gesorgt. Als ich ankam konnte ich fünf sympathischen Musikern die Hand schütteln, ein Gitarrist und vier Sängerinnen gaben jeweils vor den einzelnen Lesungen einen Krimi-Song zum Besten. Zwischendurch wurden drei verschiedene Silvaner aus der Region probiert, und von zwei Fachfrauen gab es eine Menge rund um diese Rebsorte zu erfahren. Und auch hier fanden sich bekannte Gesichter unter den interessierten wie amüsierten Zuhörern ...



(c) Thomas Gebhart

Schönes lässt sich gestalten, dachte ich, als ich am Montagmorgen auf der Autobahn wieder in Richtung Berlin unterwegs war, das Vollkommene aber entsteht erst, wenn viele sich zusammentun.






27. Okt 2016



Lesung bei Globus in Bobenheim-Roxheim



(c) Thomas Gebhart


(c) Thomas Gebhart

Ein liebevoll wie professionell gestalteter Rahmen erwartete
uns und die Gäste, die regelmäßig zu den kulinarisch-kulturellen Veranstaltungen bei Globus kommen.

Es war mir eine besondere Freude, hier zu lesen!





30. Juni 2016


Kleine Gespräche
Ich mag die kleinen Gespräche. Ich nenne sie so, weil Small Talk so abgenutzt und oberflächlich klingt. Weil dieser auch oft als Mittel zum Zweck angesehen wird. Du musst halt Small Talk machen und dir ein Netzwerk aufbauen. Das ist mir zu unecht, zu unverbindlich.

Es gibt derbe, ungehobelte Zeitgenossen - sie führen eine Sprache, die einem in den Ohren wehtut und sehen die Höflichkeit als eine Spielart des groben Unfugs an. Mit solchen Menschen kann man keine kleinen Gespräche führen. Und dann sind da noch die Intelligenten. Brillante Köpfe, die glauben, es sei unter ihrer geistigen Würde, immer wieder dieselben Sätze zu sagen. Das Offensichtliche auszusprechen.

Dabei ist genau das auch eine buddhistische Meditationsübung. Statt zu Hause im Lotussitz vor sich hinzumurmeln: Vogelgezwitscher, Rascheln des Windes in den Bäumen, Sonnenstrahlen auf der Haut, sagt man zu einem Gesprächspartner: Was für ein herrlicher Tag heute. Und der andere gibt dann zurück: Stimmt. Ich habe schon Sonne getankt und die Vögel zwitschern gehört.

Der Buddhist übt sich auch darin, sein Mantra beim fünfzigsten, hundertsten, fünfhundertsten Mal noch genauso frisch und achtsam vorzutragen, wie beim ersten Mal. Man braucht sich also nicht komisch vorzukommen, wenn man sich selbst immer wieder sagen hört: Wie war denn Ihr Wochenende? Alles im grünen Bereich? Ich wünsche dir einen schönen Urlaub! Und ja, falls wir uns vorher nicht mehr sehen sollten, schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ...

Somit wird das vermeintlich Banale zu einer Art von gemeinsamem Mantrasingen. Man fühlt dabei die Verbundenheit mit den anderen und braucht sich nicht mehr auf eine Reise nach Tibet zu begeben. Auch die Suche nach transzendenten Erfahrungen in einem Ashram erübrigt sich; ein ganz normaler Arbeitsplatz, an dem täglich die verschiedensten Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen zusammenkommen, reicht vollkommen aus.

Es gibt Meisterinnen in der Kunst, kleine Gespräche zu führen. Ohne anzuhaften gelingt es ihnen, in jeder Situation das richtige Wort, den passenden Ton zu finden und dadurch eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und zu erhalten. Ihnen und all jenen, die das Prinzip der kleinen Gespräche im Herzen verstanden haben, wünsche ich einen schönen Tag!






23. Mrz 2016


Terror
Zur Zeit der Anschläge vom 11. September 2001 arbeitete ich im Sony Center am Potsdamer Platz. In den Wochen danach lag ein Gefühl der Beklemmung, des abwartenden Luftanhaltens über Straßen, Plätzen und Bahnsteigen. Es wehte mich auch heute an und verstärkte sich als ich die Polizeipräsenz an der großen Straßenkreuzung und im Bahnhof sah.
Bislang hat die Zeit dieses subtile Bedrohungsempfinden immer wieder verblassen lassen, doch inzwischen werde ich es gar nicht mehr los: kaum habe ich die Schreckensbilder von Paris ausgeatmet, explodieren Bomben in der Türkei, jetzt Brüssel ...

Was passiert als nächstes?! In vielen Augen steht die blanke Angst.

Das Leben, so schrieb schon Kästner, sei immer lebensgefährlich. Und die Statistiken geben ihm Recht. Auf den Straßen Europas verunglücken jedes Jahr 25.000 Menschen tödlich. Unvernünftiger Alkoholkonsum rafft noch einmal drei bis vier Mal so viele dahin. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs stehen auch ganz oben auf der Liste. Und wer da prophylaktisch lieber im Bett liegen bleibt, kann an einer thrombosebedingten Lungenembolie, einer depressiven Verstimmung oder an unheilbarem Weltschmerz zu Grunde gehen.
Würde man die Zahlen nebeneinanderstellen, nähme sich die der Terroropfer klein aus. Wie kann es da sein, dass unser Empfinden so gegensätzlich reagiert? Die Furcht so gewaltig ist?

Terror ist perfide, gemein, heimtückisch und hinterhältig. Das wissen wir. Doch das ist es nicht allein. Es macht einen Unterschied, ob Dinge passieren. Ob jemand einen Augenblick unachtsam oder überarbeitet ist; im jugendlichen Überschwang oder weil er sein Alter nicht wahrhaben will, Grenzen überschreitet. Die Selbstdisziplin nicht aufbringt. Einen Kummer nicht überwindet. Im Affekt übers Ziel hinausschießt.
All das ist irgendwo menschlich und es gibt etwas, das die Menschen verbindet: eine tiefe Liebe zum Leben, eine unbewusste Bejahung oder doch zumindest ein intuitives Festhalten.

Und dieses Etwas ist es, das den Attentätern fehlt. Haben sie es verloren oder nie erfahren? Sie scheinen jedenfalls in einem gewissen, seelischen Sinn schon tot zu sein, bevor sie selbst in den Tod gehen, und die Gleichgültigkeit mit der sie andere mitreißen ist auf eine Weise grausam und verstörend, dass es einem die Sprache verschlägt.

Mit der Angst werden wir leben müssen. Ein Tag nach dem anderen. Das ist ein altbewährtes Mantra gegen Ängste jeglicher Art. Und Sicherheit - auch wenn wir Deutsche mit unserer Vollkasko-Mentalität das nur schwer aushalten können - Sicherheit gibt es ohnehin nur für den Augenblick.





11. bis 16. Feb 2016


Lesereise

"A sister is a gift to the heart, a friend to the spirit,
a golden thread to the meaning of life."
(Isadora James)

Am Samstagabend hat meine Schwester Marianne in ihrem Dorf Mörzheim eine kulinarische Lesung für mich organisiert. Es war eine besondere Veranstaltung, so fast en famille. Das urige Restaurant - das vor kurzem als Weinbar 'The Old Winekontor' wiedereröffnet wurde - gehört Volker Schwander, einem lieben Freund, der selbst ein Weingut betreibt. Großzügiger Weise hat er die Weine für den Abend zur Verfügung gestellt und fachmännisch präsentiert. So durften wir gemeinsam mit einem überaus freundlichen und zugewandten Publikum gleich zu Beginn einen Silvaner Eiswein verkosten; bevor es dann literarisch mit 'Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen' weiterging ...



(c) Thomas Gebhart





Zu Gast auf dem "Balkon der Pfalz"

Auch bei der Winzergenossenschaft Herxheim am Berg stand am Montagabend Wein & Krimi auf dem Programm. Auf 212 m Höhe liegt die neu gestaltete Vinothek mit Lounge. Eine moderne Architektur der klaren Formen. Mit zeitgemäßem Können wird hier die lange Tradition der Weinbereitung fortgesetzt. Es war eine Freude für die über 40 Gäste zu lesen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und auch wenn sich der Blick ins Tal über Kallstadt und Freinsheim bei Nacht nur erahnen ließ, spürten wir den Zauber dieses Herrgottsfleckchens.




5. Feb 2016


Gedanken beim Kaffeekochen
Menschen, die ihre Mitmenschen zum Lachen bringen, kommen ins Paradies. Das - so habe ich kürzlich gelesen - stehe im Koran. Ich frage mich, warum sie nicht umschulen, die Dschihadisten; sie könnten doch Clown oder Komiker werden und statt Terror Kabarett machen.





20. Nov 2015



6. Krimimarathon Berlin-Brandenburg


Vinos y Tapas. Ein kleiner Weinladen in Lichterfelde-West. Äußerst geschmackvoll vollgestopft mit - nicht nur flüssigen - Köstlichkeiten aus Spanien und Portugal. Ein junger Mann aus Girona empfängt uns mit einer entspannt-hingebungsvollen Freundlichkeit, die ihresgleichen sucht. So widmet er sich den Weinen, den Lebensmitteln, den Gästen. Ich fühle mich sofort wohl. Das Lampenfieber, welches sich normaler Weise eine halbe Stunde vor der Lesung ins fast Unerträgliche steigert, scheint hier keinen Zutritt zu haben. Dafür erscheint der Inhaber, der sogleich einen fruchtig-ausgewogenen Weißwein öffnet, mit dem wir auf einen schönen Abend anstoßen. Und schön - ja sehr schön - wird es auch. Ich sitze inmitten der 20 Gäste in einen gemütlichen Weinprobierraum, wo man freundlich lächelt, mit offenen Ohren meiner Krimi-Lesung lausch. Es wird viel gelacht und gemeinsam gruseln wir uns. Zwischendurch werden noch mehr ausgewählte Tropfen, interessante Informationen rund um den spanischen Weinanbau und Tapas gereicht.
Chinchin y Muchas gracias!


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(c) Thomas Gebhart






10. Mai 2015



Mein ist mein ganzes Herz


'Im wunderschönen Monat Mai, da alle Knospen sprangen ...' Vieles mag sich seit den Tagen Heinrich Heines verändert haben, der Zauber des Wonnemonats aber ist ungebrochen, und ich staune immer, wie großmütig nach wie vor die Herzen an andere verschenkt werden. Meines hat mir ein Liebesgedicht ganz anderer Art diktiert ...


Im Herzen meines Herzens gibt es einen Ort nur für mich selbst.
Mein Liebster wohnt gleich nebenan, in einem schönen Raum.

Phantasie und Sprache haben sich zurückgezogen, in einen Winkel,
hell und still, wo sie sich suchend immer neu erfinden.

In meinem Herzen ist Platz für ein großes Bücherregal,
für die Schmiede filigraner Texte und wortgewaltige Erzählerinnen.

Da sitzen Musiker, manchmal ein ganzes Orchester,
die kühlen und entwirren ungestüm verknotete Synapsen.

Es steht dort eine Bank für meine Freunde und die Verwandten,
die ohne Popanz oder Possenspiel sich halbwegs zu benehmen wissen.

Ich liebe Wein und gutes Essen - Bäume und Blumen
Wolken, Schnee - und alle, die im Wandelspiel der Jahreszeiten
hier kriechen, springen, fliegen oder gehen,
sofern sie mir persönlich nicht zu nahe kommen.






30. Mrz 2015



Globale Währung

Manchmal wehen mich Gedanken an. Während ich meinen Nachmittagskaffee trinke und in der Hoffnung auf ein bisschen Stille im Kopf nach draußen schaue, sehe ich ein Flugzeug nach dem anderen in den stahlgrauen Himmel aufsteigen. In 100 Jahren, so denke ich, wird es vielleicht eine zweite, globale Währung geben: den RM-Dollar. RM steht für Resources & Emissions und jeder Erdenbürger erhält ein entsprechendes Kontingent. Die Leute kommen gar nicht mehr auf die Idee, billig produziertes Fleisch und Lebensmittel, billige Kleidung, Billigflüge und -reisen oder sonstige Dinge unreflektiert zu kaufen, weil all das ein unerhört großes Loch in den RM-Geldbeutel reißen würde. Jeder weiß, dass man sich das nicht leisten kann. Es gibt auch immer weniger Anbieter solcher Waren und Dienstleistungen, dafür aber wieder mehr menschenwürdige Arbeitsplätze und nachhaltige Freude. Bevor ich diese schöne Vision weiterverfolgen kann, rüttelt auch schon die nächste Krimi-Szene, ungestüm wie die Sturmböen draußen, an meinem Geist. Ich sollte wohl besser ihr nachgehen ...








23. Jan 2015



Zu Gast im Hotel Oranien an der Loreley

 

   
(c) Thomas Gebhart


Am nächsten Morgen besuche ich den Felsen, auf dem einst die schönste Jungfrau gesessen haben soll, um in blitzendes Geschmeide gehüllt, ihr goldenes Haar zu kämmen. Dabei singt sie eine so wundersame wie gewaltige Melodie, dass es den Schiffer unten im kleinen Kahne mit wildem Weh ergreift ... Die Luft ist kühl, der Himmel so weiß und tief, dass es mir fast unmöglich scheint, sich der mythischen Stimmung dieses Ortes zu entziehen. Bestimmt ist Heinrich Heine auch an einem solchen Tag hier oben gewesen, eher er das von Clemens Bretano zu Papier gebrachte Rhein-Märchen zu einer Ballade verdichtete. Da Friedrich Silcher das Gedicht von der Loreley später vertont hat, dürfte es zu den bekanntesten des romantischen (Frühlingsbotschaft), feinsinnig-ironischen (Sie saßen und tranken am Teetisch) und zuweilen auch frechen (Alte Rose) Dichters zählen.



(c) Anne Riebel










16. Dez 2014



Advent heißt Ankunft

Diese Überschrift lese ich dieser Tage häufig. Die Artikel sind oft von Geistlichen verfasst und sollen mich dazu anregen, zu mir selbst zu kommen und mich zu besinnen. Außerdem werde ich aufgefordert, mich in meine Kindheit zurückzuversetzen. Es gibt auch Texte, die den Verfall von Werten und Traditionen auf drastische und zuweilen gar zynische Weise anprangern. Geschäftsleute wünschen mir eine besinnliche Adventszeit, und wenn ich nachfrage, wie das bei ihnen so sein wird, winken sie ab. „Stress bis zur letzten Minute.“ Im Freundeskreis sprechen wir über die Herausforderung, allen gerecht zu werden und dabei selbst nicht auf der Strecke zu bleiben. Es gibt viele Spannungen und Konflikte; selbst erfahrene Psychologen winken resigniert ab. Und am Ende ist Petrus an allem schuld, weil er einfach nicht das richtige, stimmungsfördernde Wetter gemacht hat.

Wenn ich sehe, was an Weihnachten so alles festgemacht wird, muss ich an einen Tannenbaum denken, der so überreich geschmückt ist, dass man das Grüne kaum noch sehen kann.
     Befreien wir ihn doch erst einmal vom Lametta der Selbstfindung und Besinnlichkeit. Dass man dazu nach Innen gehen sollte und Ruhe braucht, dem stimme ich zu. Aber warum muss das nun ausgerechnet im Advent sein? Einer Zeit, die für viele zu den turbulentesten des Jahres zählt? Außerdem ist dieses Bedürfnis sehr individuell. Manch einer macht sich auf die Suche und ist dann jahrelang unterwegs. Ein anderer ist längst angekommen und findet es durchaus sinnstiftend im größten Trubel seine Produkte zu verkaufen oder kaltblütig mordend im eigenen Krimi unterwegs zu sein
. 
     Als nächstes hänge ich die Kindheitserinnerungen ab. Große, bunte Kugeln sind das, etwas angelaufen. Meine Kindheit ist eben schon ein paar Tage her. Manche Kugeln werden kleiner, sobald ich sie anfasse. Andere zerbrechen. Das ist nicht weiter tragisch; es passiert, sobald man beginnt, sie mit dem Bewusstsein einer Erwachsenen zu betrachten. Ja, ich gebe zu, dass das auch wehtut, doch am Ende bin ich frei von den großen, bunten Glückserwartungen und dem nachfolgenden Gefühl der Enttäuschung.
     Die Spitze des Christbaumes zu erreichen ist gar nicht so einfach. Ich muss auf eine Leiter steigen, um die Religiosität, mit der ich aufgewachsen bin, zu fassen zu kriegen. Heute bietet mir die christliche Kirche weder geistig noch emotional ein Zuhause. Spiritualität ist für mich etwas Lebendiges. Nichts Gramgebeugtes. Sie hat mit Freude zu tun, Freude am Dasein und an allem, was gelungen und geschafft ist. Und nicht mit Schuld- und Schamgefühlen. Ich glaube an das Leben. Und ich versuche diesen Glauben Tag für Tag umzusetzen, indem ich Respekt beweise vor der Schöpfung und meinen Mitmenschen mit Empathie begegne. Mit Mitgefühl also, nicht mit Mitleid! Aber ‚liebe deinen nächsten wie dich selbst‘ – ich komme auf meiner Leiter ins Schwanken und finde, dass Jesus diese Latte viel zu hoch gehängt hat.
     An Traditionen kann man sich die Zähne ausbeißen, wie an den hart gewordenen Lebkuchen, die noch übrig geblieben sind. Während ich sie von den Zweigen fädle, denke ich, dass Traditionen für die Menschen gemacht sind, und nicht die Menschen für die Traditionen. Dass Tradition und Ritual die Form sein sollten, in denen die Liebe von der einen Generation zur nächsten weitergereicht wird. Dabei sollten wir vor allem den Inhalt nicht aus den Augen verlieren. Und wenn wir uns Gedanken über die Form machen, sollten wir die Kinder und Jugendlichen mit einbeziehen, denn was sie selbst mitgestaltet haben, werden sie auch weitertragen.

Ich schalte die Lichterkette ein und betrachte zufrieden den leuchtenden Tannenbaum. Der Brauch, sich um die Wintersonnwende Grünes in die Wohnung zu holen, und es mit Lichtern zu bestücken ist im Ursprung keltisch. Gefeiert wurde - nachdem die Dunkelheit ein weiteres Mal überwunden war - die Wiedergeburt des Lichts. Eine Idee, die mir sehr gut gefällt.

Und wenn nun jemand Weihnachten in der althergebrachten Art und Weise über alles liebt? In Ordnung. Dann soll er oder sie aber auch dazu stehen – und nicht die persönlichen Vorlieben als allein seligmachende Form verklären. Liebe hat nichts mit einer Gänsekeule zu tun.




16. Okt 2014



20 Jahre Berlin


Am 3. Oktober 1994 beluden wir den mintgrünen Opel Kadett meines Liebsten mit meinen Habseligkeiten und fuhren nach Berlin, in der Absicht eine schöne Wohnung, eine spannende Arbeit und das Glück zu finden. Fünf Jahre wollten wir bleiben. Zwanzig sind es geworden. Schön gewohnt haben wir immer, im Beruf gaben sich die Herausforderungen meist die Klinke in die Hand und über das Glück durften wir viel, sehr viel lernen.
Gefeiert habe ich dieses Juliläum ganz allein, allein mit dieser gigantischen Diva, diesem zärtlichen Monster von einer Stadt. Und natürlich indem ich versuchte, mich ihr schreibend zu nähern. Was dabei herausgekommen ist? Ein Krimi - was sonst?!

Kurz-Krimi-Berlin







3. Mai 2014



Presseartikel im BERLINER Abendblatt










7. - 14. Mrz 2014



Unterwegs ...

... auf Lesereise und Recherchetour in der Pfalz.

 
(c) Anne Riebel



28. Feb 2014



eBook

Mein zweiter Krimi 'Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen' ist jetzt auch als eBook verfügbar.
Er kostet 9,99 € - man kann ihn über den Societätsverlag Frankfurt beziehen oder überall dort, wo es eBooks gibt.




14. Feb 2014



Krimi-Lesung mit der Pfälzischen Weinkönigin

Am Valentinstag hat der Winzerverein Deidesheim eG zur Mörderischen Weinprobe eingeladen. Ich las aus meinem Krimi 'Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen'; die Pfälzische Weinkönigin, Janina Huhn, besprach die Weine zur Probe, indem sie auf gekonnte wie charmante Art und Weise den einzelnen Charakteren ihr flüssiges Äquivalent gegenüberstellte.


   

 

Foto unten rechts: Weinkönigin Janina Huhn, Wolfgang Huhn, Geschäftsführer Gerald Niederberger und ich ;-)
(c) alle Fotos: Thomas Gebhart





8. Nov 2013



Eingespieltes Team

Die Südpfalz begrüßte mich mit Regen als ich letzte Woche dort ankam. Die Hügel der Haardt, sonst in üppiges Grün getaucht, wirkten unter dem milchig-trüben Himmel und vor dem blassen Gelb der letzten Blätter an den Rebstöcken tiefblau und schwer.

Da war es sehr angenehm, einmal nicht alleine unterwegs sein zu müssen. Gemeinsam mit Sophie und Marc vom Weingut Silbernagel machten wir uns am Mittwoch auf den Weg nach Rheinstetten bei Karlsruhe. Die Lesung mit Weinprobe war ausverkauft. Die Veranstalterin, die kurz zuvor Ilbesheim besucht hatte - das Dorf in dem ich aufgewachsen bin und wo die Silbernagels ihr Weingut betreiben - war beeindruckt von der malerischen, idyllischen Kulisse. Wein und Literatur reichten sich die Hand; die Gäste waren angetan, inspiriert, zufrieden. Auch am Freitag, als wir im Rahmen des 6. Pfälzer Krimiwochenendes die 'Mörderische Weinprobe' noch einmal als Heimspiel gaben.

Schön war's! Und für alle, die es versäumt haben: im Frühjahr 2014 machen wir es noch einmal ...


   

(c) Anne Riebel







26. Sep 2013



Buchpräsentation 'Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen'

im Weingut Junker im südpfälzischen Impflingen. Auf Einladung des Societätsverlages Frankfurt / Main begrüßten wir rund 30 Gäste. Natürlich wurde erst einmal mit einem exzellenten Silvaner aus dem Keller des Hausherrn auf das neue Buch angestoßen. Nachdem man sich außerdem bei Pfälzer Tapas entsprechend gestärkt hatte, begann ich mit einer komprimierten Lesung, gefolgt von einer kurzen Ansprache zum Entstehen des Krimis. Es gab durchaus einen kleinen Ansturm auf den Büchertisch, den die Buchhandlung DAS BUCH BEI SPIEL & SPASS aus Bad Bergzabern freundlicherweise organisiert hatte. Alles in allem eine sehr schöne, kleine wie feine Veranstaltung.


 


  


  

(c) alle Fotos Thomas Gebhart




3. Aug 2013



Krimi-Neuerscheinung

Er ist da - jetzt überall im Buchhandel erhältlich - mein zweiter Krimi 'Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen'.

Ab Herbst  2013 bin ich wieder mit Lesungen unterwegs  - die aktuellen Termine finden Sie auf dieser Web-Site.


    Leseprobe Silvaner trocken






28. Febr 2013



Gedanken beim Kaffeekochen

Freiheit ist wohl mehr eine Frage der inneren Haltung denn der äußeren Umstände.



(c) Thomas Gebhart




4. Jan 2013



Schreiben

Wenn ich nicht schreiben könnte,
gäbe es mich nicht mehr.
Oder ich säße in einem Sanatorium
und schriebe an dem einen,
ewig unvollendeten Werk
über alles.


Ich schreibe,
um meinen Kopf innen zu waschen,
um mich zu besinnen,
um mich wiederzufinden,
wenn ich mich draußen
verloren habe.


Ich schreibe,
um nicht zu verzweifeln,
um zu heilen,
um mich zu erinnern,
um vergessen zu können.


Ich schreibe,
um den Schmerz zu ertragen;
mit Hilfe der Buchstaben
kann ich ihn in Stücke hacken,
ihn auf Wiedervorlage legen,
bis ich stark genug sein werde,
mich ihm zu stellen.


Ich schreibe,
aus Dankbarkeit,
aus Freude,
mir selbst,
meinen Liebsten,
dem Leben.


Ich schreibe.
Jeden Tag.
Immer.
So, wie ich atme.
Wie ich gehe.
Schreibe ich.






30. Nov 2012



Mit 'Riesling pur ...' bei der 10. Speyerer Kriminacht

Mein November war in diesem Jahr besonders aufregend! Nach einem doppelten Einsatz beim Pfälzer Krimiwochenende Anfang des Monats stand 'Riesling pur oder ein mörderischer Jahrgang' am 24. und 25. November noch einmal in Speyer im Rampenlicht. Das dort ansässige Theater 'Dicke Luft' und die Damen der Spei'rer Buchhandlung hatten mich zur 10. Spey'rer Kriminacht eingeladen und meinen Erstling auf die Bühne gebracht.

Es war sehr beeindruckend, die eigenen Figuren, die einst im Stillen durch meine innere Bilderwelt marschierten, real und lebendig vor sich zu sehen. Regisseur Norbert Franck hatte die Szenen, die gelesen und gespielt werden sollten ausgewählt und eine neue, auf das Theater abgestimmte, Dramaturgie geschaffen. Der Aufführung war ein kurzer Film vorangestellt, der zusammen mit der eigens komponierten Klaviermusik von Moritz Erbach die Stimmung meines Buches wiedergab.


 


   

(c) alle Fotos Theater 'Dicke Luft'

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